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Bischöfliches Kirchenmusikinstitut

Musik in Corona-Zeiten

Gestaltungsmöglichkeiten: Singen im Gottesdienst

Erfahrungen/ Rückmeldungen/ Anregungen


Erfahrung mit dem stellvertretenden Singen ist: es ist nicht gut, wenn der Pfarrer dies übernimmt, dies animiert die Gemeinde nur zum Mitsingen. Auch die „Stellvertreterrolle“ wird so nicht klar, es sollte wirklich eine Person aus der Gemeinde sein.


Gezielte Auswahl von Liedern und Gesängen, die der Gemeinde nicht oder weniger bekannt sind, damit die Leute keine „Entzugserscheinungen“ bekommen, wenn sie „Schlager“ nicht mitsingen dürfen, oder um auf diese Weise noch unbekannte GL-Gesänge „unter die Leute“ zu bringen, die für die Gemeinde sonst zu schwierig sind.


Antwortpsalm: die Gemeinde kann den Psalm versweise abwechselnd beten – evtl. mit leiser Orgelbegleitung unterlegt; das ist zwar nur eine Notlösung, da der Psalm normalerweise vorgetragen werden soll, aber so kann sich die Gemeinde wenigstens beteiligen


Halleluja (Christusruf in der Fastenzeit): nach festlicher Orgelintonation singt Kantor*in sofort den Vers vor dem Evangelium, danach singt Organist*in oder 2. Kantor*in das Halleluja (leise begleitet)


Kommuniongesang im Wechsel mit Orgelzwischenspielen und -nachspiel bis nach der Purifikation, also in die Zeit des Dankliedes hinein, so dass das Danklied entfallen kann, stattdessen: Stille.


Mehrstimmiges Singen in der Kleingruppe (wo es die Abstände erlauben):

  • Ein Lied strophenweise steigern: erste Strophe wird solistisch vorgesungen, zweite zweistimmig, bis zum vierstimmigen Chorsatz (vier Personen in der Kleingruppe, jede singt die eigene Chorstimme) – so können Mitglieder aus Chören, die sich solistisches Singen zutrauen, für diesen Dienst eingesetzt werden. Die Orgel spielt dabei jeweils den ganzen Chorsatz zur Begleitung.
  • In früheren Zeiten gab es eine Musizierpraxis, die auch als Kantoreipraxis bezeichnet wurde: nur ein Teil der Stimmen eines Chorsatzes wird dabei komplett vokal besetzt, die übrigen Stimmen werden instrumental ausgeführt, in jedem Fall muss die bassbegleitete Harmonie gewährleistet sein (Orgel). Es können somit beispielsweise nur der Sopran und Alt oder der Sopran und Tenor oder sogar nur eine Stimme vokal ausgeführt werden – der übrige Satz wird instrumental gespielt. Es ergeben sich ganz neue Hörerfahrungen auch bei bekannten Liedern!


Man kann auch einstimmiges Singen kreativ gestalten: zwei Personen (oder zwei Zweiergruppen) singen nicht immer alles gemeinsam, sondern abwechselnd: zeilenweise, strophenweise – wie es der Textinhalt und die musikalische Struktur ergibt. Dadurch kann man durch den Wechsel beim Vorsingen auch eine gewisse Dynamik in den Gesang bringen: 

  • wechselnde Klangfarbe von Männer- und Frauenstimme
  • zwei Personen singen Vorsänger- und Gemeindeteile im Dialog
  • eine Stimme übernimmt die wörtliche Rede, die andere übernimmt die übrigen Textteile. Beide singen dann ggf. eine letzte Strophe gemeinsam. Hierfür eignen sich beispielsweise: GL 213 O heilge Seelenspeise, GL 282 Beim letzten Abendmahle, GL 322 Ihr Christen, singet hocherfreut, GL 328 Gelobt sei Gott im höchsten Thron, GL 537 Ave Maria, gratia plena, GL 554 Wachet auf (3. Strophe gemeinsam), GL 748 Tauet Himmel, den Gerechten, GL 858 Ave Maria klare
  • Ein Lied mit drei Strophen: zwei Personen teilen das Lied auf, erste und zweite Strophe jeweils allein, dritte gemeinsam.
  • Ein Lied wird zeilenweise auf mehrere Personen verteilt: entweder mutige Chormitglieder, die sich auf großen Abstand im Raum verteilen und sich die Liedzeilen quasi „zusingen“, oder man macht dies mit nacheinander gesprochenen Liedzeilen: dies können die Lektor*innen oder mutige Gemeindemitglieder übernehmen. Eine so gesprochene Strophe kann durch die einstimmige Melodie (Soloinstrument, Orgel) eingeleitet werden, danach eine Strophe Orgelsatz. Oder die Orgel begleitet den gesprochenen Text mit einem ganz leise gehaltenen Akkord. Das muss man gut vorbereiten, es hat aber eine tolle Wirkung.
  • Dieselbe Idee kann man auf vielfache Art weiterentwickeln: Die Gemeinde liest das Lied gemeinsam, während die Orgel die Melodie gut hörbar spielt; oder eine Person trägt allein den Text einer Strophe gesprochen vor, während die Orgel leise spielt; die nächste Strophe wird solistisch gesungen, der Text einer Strophe wird vorgelesen und unmittelbar danach erklingt das Lied von der Orgel… Variationen beleben die Gottesdienstgestaltung!
  • Das gesprochene Glaubensbekenntnis wird zur Zeit die erste Wahl sein. Die dialogischen Vertonungen können aber auch „sichtbar“ in Stellvertretung der Gemeinde gestaltet werden: z. B. GL 178: Eine Person steht der Gemeinde gegenüber und singt die Vorsängerteile (beginnend mit 178,2 „Ich glaube an Gott“, eine andere Person steht dieser Person gegenüber in der Gemeinde (etwa im Gang, jedenfalls unter Einhaltung der notwendigen Abstände) und bekräftigt jeweils mit dem KV „Amen … wir glauben“. Oder – wenn der Raum und die Abstände es erlauben – man beteiligt in dieser Weise fünf verschiedene Personen am Kehrvers, die dann aus verschiedenen Richtungen jeweils einen Kehrvers solistisch übernehmen.


Wenn Sie Liedtexte nur sprechen: wählen Sie gezielt aus, was sich zum Sprechen eignet und was nicht! Gloria, Halleluja und Sanctus eignen sich nicht zum Sprechen – sie haben hymnischen Charakter, und niemand würde beispielsweise eine Nationalhymne nur sprechen.


Auch die meisten NGL (Neuen Geistlichen Lieder) leben derart von Harmonie und Rhythmus, dass sie zum Sprechen ungeeignet sind.


Was also tun, wenn man auf diese Texte nicht verzichten will?

  • Beim Gloria kann die Gemeinde den wörtlichen liturgischen Text (GL 583) sprechen, der dann mit einem solistischen Kehrvers (z. B. GL 168 oder 173) oder einem dem Charakter entsprechenden Orgelvor- und/ oder Nachspiel verbunden wird. Mit dem Sanctus kann man ebenso verfahren. So sind die Texte vorhanden und musikalisch gut gestaltet. Wenn man dies vor dem Gottesdienst geschickt vorbereitet bzw. kurz übt, ergibt sich hier eine Chance, die Leute zu bewusstem liturgischen Sprechen bzw. Deklamieren zu motivieren und von eingefahrenem „Liturgiegemurmel“ weg zu bringen.
  • Ein Lied mit einer Aufforderung (einem Imperativ) kann eine Einzelperson so sprechen, dass die Gemeinde damit auch wirklich aufgefordert wird: „Nun jauchzt dem Herren, alle Welt“ (GL 144,1) oder „Nun danket alle Gott“ (GL 405,1). Bei beiden Liedern gibt es dann Strophen, die sich fürs gemeinsame Sprechen der Gemeinde sogar gut eignen: 144,3 „Wie reich hat uns der Herr bedacht“ und 405,2 „Der ewigreiche Gott woll uns …“. Den Abschluss könnte dann jeweils die letzte Strophe (Doxologie) solistisch gesungen bilden – das ergibt eine stimmige Form.
  • Lassen Sie sich also auf jeden Fall vom Inhalt des Textes inspirieren!


Gregorianische Gesänge bieten auch ein gutes Repertoire: die Ordinariumsgesänge sind für Vorsänger*innen gut machbar, es gibt auch andere nicht zu schwierige Gesänge (Introitus, Communio).


Eine kleine Singgruppe, die aus Familienmitgliedern aus einem Haushalt besteht (egal ob ein- oder mehrstimmig), kann näher zusammenstehen. So kann man an mehreren Sonntagen auch mehrere Familien beteiligen – oft sind Kinder mutiger als die Erwachsenen und singen wirklich gern vor!


Mitglieder von Instrumentalkreisen können allein/ zu zweit eingesetzt werden, um die Lieder zu spielen, als Vorspiele oder im Wechsel mit dem Gesang. Oder spielen die Chormitglieder, die nicht singen dürfen, evtl. ein Instrument? Damit könnten sie sich auf andere Weise in den Gottesdienst einbringen.


Eine sehr erstaunliche Rückmeldung aus einer Gemeinde: „Bei uns wird vor jedem Gottesdienst gefragt, wer vorsingen möchte – es gibt immer Leute, die sich melden und das gut machen!“ Vielleicht klappt das nicht spontan und auch nicht überall – aber warum nicht einmal versuchen? So wird die Rolle des „stellvertretenden Gesangs“ auch wirklich von der Gemeinde wahrgenommen.


Und wenn es sich um Lieder handelt, die sich überhaupt nicht zum Sprechen eignen (z. B. „Großer Gott, wir loben dich“)? Hier hoffen wir darauf, dass es in absehbarer Zeit doch Lockerungen geben wird, die ein gemeinsames Singen der Gemeinde wenigstens eines Schlussliedes im Außenbereich wieder ermöglichen. Momentan wäre eine rein instrumentale Gestaltung durch passendes Orgelspiel möglich ( s. „Orgelmusik im Gottesdienst“), oder man verzichtet bewusst auf diese Lieder, damit die Gemeinde den Verlust des eigenen Singens nicht zu schmerzlich erlebt (s. o.).

Kontakt:

Bischöfliches Kirchenmusikinstitut
Leitung: Diözesanmusikreferentin Edith Harmsen


Postfach 1153 - 36001 Fulda
oder
Paulustor 5 - 36037 Fulda


Tel. 0661 87-268
Fax 0661 87-405

 

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Telefon: 0661 / 87-0

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